Archiv für Oktober 2009

Werbung im Stil von Comedystreet

Comedystreet, die bekannte Unterhaltungssendung auf ProSieben mit Simon Gosejohann, die seit 2002 ausgestrahlt wird, macht es vor: unverzeihliche Fun-Provokationen sind lustig, bleiben in den Köpfen haften und erzeugen Aufsehen! In jeder Serienfolge springt Gosejohann in den atemberaubendsten Kostümen und Outfits auf der Straße herum und erschreckt Menschen, erzeugt erstaunte Gesichter und fordert große Lacheffekte. Diese Serie merkt man sich einfach und ebenso den Serienmacher ProSieben. Dieses Phänomen heißt „Schock“, denn oftmals schockt Gosejohann seine „Opfer“ auf der Straße, bevor sich das breite Lächeln auf dem Gesicht äußert, diese Menschen vergessen den Tag niemals.

Auch die Werbung, insbesondere das Virale Marketing, schätzt dieses Phänomen und stützt daher ihre Kampagnen auf provokative, auffällige und dennoch extrem günstige Werbemaßnahmen, die direkt im Alltag eines jeden auftauchen, teilweise sogar mit Ereignissen aus dem Alltag vermischt werden.

Wer würde nicht auf eine Jeanshose in überdimensionaler Größe achten, die durch die Innenstadt marschiert, auch wenn dieses Highlight nicht in Deutschland stattfand?

Das virale Marketing ist eine relativ junge Form der Werbung, vielleicht könnte man sogar vermuten, dass ein Teil dieser Marketingideen geschichtlich aus Comedy-Serien wie Comedystreet entsprungen sind? Oder umgekehrt?

Ebenso wie Comedystreet ist auch das Virale Marketing noch nicht in aller Munde, obwohl es im Grunde einen „Knaller“ darstellt.

Während Comedystreet wohl eher eine anderweitige Zielgruppe anspricht wie die ARD Tagesthemen, muss auch nicht jeder Mensch diese Serie gesehen haben. Die Auswahl des Zielpublikums reicht völlig aus, um diese Sendung in Erfolg zu tauchen.

Ebenso verhält es sich mit Virale Marketing. Während ältere Generationen wohl eher den Schock-Effekt einer Guerilla-Werbekampagne wahrnehmen, erkennen jüngere Generationen schnell den Sinn und merken sich diesen Auftritt.

Virales Marketing richtet sich also an bestimmte Zielgruppen, wie jede andere Werbekampagne auch.

Werbung wirbt für Virales Marketing

Wie schade ist es, dass die Werbebranche nicht für sich selbst wirbt! Jedenfalls sieht man keine TV-Spots mit werblichem Inhalt für die Werbemacher hinter den Kulissen! Während Marketingabteilungen und Werbeagenturen alle Hebel in Bewegung setzen, um ihren Kunden, mithin Mittelstands- und Kleinunternehmen, exquisite Werbekampagnen auszuarbeiten, vergessen sie scheinbar ihre eigenen Belange. Wo sieht man schon Werbeplakate mit großen Aufforderungen, sich in einer Werbeagentur zu melden? Wer läuft schon mit einem Slogan „Werbung tut gut“ nackt durch das Stadion? Warum findet man keine Werbe- bzw. Marketingagentur, die es ähnlich herausschreit wie  „Geiz ist geil“ oder „Ich bin doch nicht blöd!“?

Mag es daran liegen, dass Werbeagenturen und Co. ihre Ressourcen und Repertoires gänzlich für werbende Unternehmen jeglicher Art aufopfern? Oder ist es schlichtweg die Tatsache, dass der Werbemacher letztendlich im Hintergrund verweilt, während das werbende Unternehmen im Mittelpunkt steht, so dass Werbeagenturen einfach keine Werbung für sich benötigen?

Dabei ist es so einfach, eine einschlagende Werbung für Werbung zu vollbringen, wie man bei Youtube unschwer erkennen kann.

Das Video zeigt doch ziemlich deutlich und interessant, dass man auch die Werbung durch Virales Marketing bewerben kann! Wer kennt sie nicht – die Star Wars Episoden? Wer schaut sich nicht auch gerne die „Verarschungen“ an, die man sich ohnehin viel besser merken kann als die Originale? Und warum? Weil diese Verzerrung des Originals einfach einschlägt! Sie ist etwas Besonderes, etwas Merkenswertes und vor allem: etwas Witziges!

Werbung für Werbung kann so einfach sein! Wir freuen uns auf weitere Darbietungen durch Werbemacher für die Werbung!

Nackt, wie die Natur sie schuf!

Herrliches Wetter, ein Weinberg in Frankreich und mitten drin – 700 Nackte! So kann man natürlich Aufsehen erregen und gleichzeitig auf den Klimawandel aufmerksam machen. Diese Aktion führte am Wochenende Greenpeace Frankreich sehr erfolgreich durch. Das Projekt fand in Zusammenarbeit mit dem Künstler Spencer Tunick statt. Es soll eigentlich auf die Verletzbarkeit des Menschen aufmerksam machen. Durch seine Medienwirksamkeit hat es Greenpeace aber geschaft, wieder einmal in aller Munde zu sein

Wer macht hier die Musik?

Ein Werbespot soll Werbung machen. Werbung für ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung. So weit so gut. Wenn aber Musik für den Spot verwendet wird, dann kann es zu ganz unerwarteten Nebeneffekten kommen. Denn in der Geschichte der Werbung ist es bereits passiert, dass das beworbene Produkt zwar zu einem Flop wurde, die Musik aus dem Spot aber zu einem Hit.

In den meisten Fällen wird für Werbespots auf bereits bekannte Melodien oder Songs zurückgegriffen. “What a wonderful world” von Louis Armstrong zum Beispiel ist in den letzten Jahren mehr als einmal in Werbespots verwendet worden. Kein Wunder, das Lied ist weltbekannt und es hat eine wunderbare Botschaft. So ist zumindest schon mal der Sound im Spot vertraut, von anerkannt hoher Qualität und mit einem garantiert positiven Lebensgefühl besetzt. Aus diesem Song kann auch der beste Spot keinen Hit mehr machen, denn er ist ja sowieso schon ein Evergreen. Der Spot kann den Song aber in das Bewusstsein einer neuen Generation katapultieren und ihm so zu neuen Umsatzhochs verhelfen.

Ähnliches gilt auch für klassische Musik, wie sie derzeit besonders in der Autowerbung eingesetzt wird. Wo ein besonders schönes Autos durch eine besonders schöne Landschaft zu einem, na Sie wissen schon, Ausschnitt aus einer Sinfonie von Brahms fährt, da wird das Interesse des Zuschauers geweckt. Vielleicht nicht unbedingt an dem Fahrzeug, aber an der Musik. Auch so kann man die Einspielung einer neuen Gesamtaufnahme unterstützen.

Richtig fetzig wird es, wenn ein Stück eigens erst durch einen Werbespot berühmt wird und es über diesen Umweg in die Charts schafft. So geschehen in Großbritannien mit dem Weihnachtsspot für die Drogeriekette Boots und dem Song “Here come the girls”, mit dem wenig später die Sugarbabes einen Riesenhit landeten.

Werbestrategien in Zeiten der Krise

Nie war sie so wertvoll wie heute, jedenfalls für Großunternehmen: Die Rede ist von der Werbung, die in Zeiten der Krise immer wieder ins Gerede kommt. Denn wenn in großen Betrieben drastische Einsparungen oder gar Entlassungen zur Diskussion stehen, dann wird von Arbeitnehmerseite gern der Werbeetat als geeigneteres Mittel zum Sparen ins Feld geführt. Untersuchungen beweisen jedoch, dass das zu kurz gedacht ist und es für die Zukunft eines Unternehmens fatal wäre, in der Krise auf Werbung zu verzichten.

Was im September 2008 mit dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers begonnen hat, hat nicht zur ersten Rezession im Nachkriegsdeutschland geführt. Wirtschaftswissenschaftler haben in vorangegangenen Rezessionen das Werbeverhalten großer Firmen (in aller Regel so groß, dass sie an der Börse notiert waren) untersucht und herausgefunden, dass allein die Beibehaltung eines Etats schon zu einer größeren Wahrnehmung der Werbemaßnahmen führt. Das kommt daher, weil die Konkurrenz ihre Werbung herunterfährt oder sogar ganz darauf verzichtet. Wenn auch Werbung nicht sofort zu einem Umsatzsprung führt, so schützt sie doch den Wert einer Marke und auch – in gewissem Rahmen – den Wert der Börsennotierung. Werbung bedeutet Stärke, Stärke schafft Vertrauen. Sowie es mit der Wirtschaft nach der Krise wieder aufwärts geht, werden jene Firmen gestärkt und unangefochten weitermachen, die auch in schlechten Zeiten Marktpräsenz gezeigt und Werbung betrieben haben.

PR-Agenturen trifft die Krise besonders schwer

Alle müssen sparen. Was für Otto Normalverbraucher gilt, das macht natürlich auch vor den deutschen Unternehmen nicht halt. Die Marketingbranche leidet – aber sie leidet in Abstufungen. So müssen Werbeagenturen in der Rezession zwar Einbußen hinnehmen und es verkraften, dass der eine oder andere Kunde abspringt oder den Etat verkleinert. Doch die weitaus größeren Verlierer der Branche sind die kleinen PR-Agenturen, die in aller Regel aus einem Chef/einer Chefin und ein bis drei Mitarbeitern bestehen.

Diese Agenturen haben zu kämpfen, denn ihre Auftraggeber sind so gut wie nie die ganz großen internationalen Konzerne, die garantiert bis zum nächsten Aufschwung überleben. Die kleinen PR-Agenturen haben eher mittelständische Kunden, die sich die klassische Werbung gar nicht leisten können (oder wollen). Sie setzen statt dessen auf Public Relations und beauftragen kleine Agenturen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Modebranche. Große Marken oder große Hersteller schalten Anzeigen in Modezeitschriften oder Lifestyle-Magazinen. Kleine Labels können sich die fünfstelligen Summen für so ein Unterfangen nicht leisten. Sie setzen deshalb alternativ darauf, dass ihre Produkte im redaktionellen Teil der Publikationen gezeigt oder erwähnt werden. Damit das passiert, wird eine PR-Agentur beauftragt. Sie hat die Kontakte zu den Redaktionen und sorgt dafür, dass Kollektionsteile des Auftraggebers in bestimmten Fotostrecken erscheinen.

Das ist sicher keine schlechte Strategie. Dennoch, wenn jede Ausgabe mit spitzem Bleistift geprüft wird, dann fallen derartige PR-Maßnahmen gerade bei kleinen Firmen ganz schnell unter den Teppich. Denn PR dieser Art mag zwar in guten Zeiten relativ wenig kosten, aber in schlechten Zeiten ist der Erfolg dafür nur sehr schwer messbar. Die Hoffnung, dass eine Veröffentlichung sofort zu einer Umsatzsteigerung führt ist, schiere Illusion. Da ist der Schritt zur Frustration und damit zur Aufgabe eines Etats nicht mehr weit.

Ein Slogan für die Selbstbehauptung

Es passiert ganz unmerklich. Man schnappt einen Spruch im Fernsehen auf ohne ihn eigentlich besonders gut oder besonders schlecht zu finden. Hört ihn immer und immer wieder in der Werbung und schwupps, eines schönen Tages ertappt man sich dabei, dass man den Spruch selbst verwendet hat. Für den Texter, der hinter einem solchen Slogan steht, ist das ein toller Erfolg. Ob das in gleichem Maße auch für das Produkt gilt, das mit dem Slogan beworben wird, dürfte dagegen weniger sicher sein.

Eines der jüngsten Beispiele eines wirklich durchschlagenden Slogan-Erfolges landete der internationale Kosmetikriese L’Oréal mit der Zeile “Weil wir es uns wert sind”. Dieser Slogan war so gut, dass er sogar in Abwandlungen wie “Weil Sie es sich wert sind” und “Weil ich es mir wert bin” in den Spots mühelos wiedererkannt wurde. Mit dem Spruch wird für völlig unterschiedliche Produkte wie Haarspray und Lippenstift, Pflegecreme oder Make-up geworben. Die Botschaft ist klar – mit dem Kauf der Produkte wächst die Selbstachtung. Draußen im richtigen Leben wurde das zu einem Statement von Selbstliebe und Selbstbehauptung; ein schnippischer Unterton immer inklusive. Den wirklichen Ritterschlag bekam der Slogan aber von der Konkurrenz. Lange und verzweifelt hart muss gearbeitet worden sein, bis L’Oréals Mitbewerber Garnier schließlich ebenfalls wunderschöne Geschöpfe in ganz ähnlichem Stil für ein Kosmetikprodukt vor die Kamera schickte und dann in der Schlussfrequenz hauchen ließ “Denk an Dich!”. Die Botschaft? Tja, irgendwie genau dieselbe wie “Weil ich es mir wert bin”. Und welche Pflegecreme ist jetzt besser??

Ganz Großbritannien ist im Erdmännchen-Fieber

Es ist Tag für Tag das gleiche Spektakel im Londoner Zoo. Nicht das Gehege mit den im Juni geborenen Löwenbabys ist die große Attraktion, sondern das vergleichsweise unscheinbare Areal der Erdmännchen (engl.: meerkat) Und so süß sie auch sind – es ist nicht das Verdienst der Erdmännchen selbst, dass die Besucher sich in Dreierreihen drängeln, um einen Blick auf die possierlichen Tierchen zu erhaschen. Verantwortlich dafür ist vielmehr ein animiertes Erdmännchen, dass seit Monaten der erklärte Werbeliebling der Briten ist. Wenn “Alexander” auf den Bildschirmen auftaucht, hat das Schimpfen über die Werbeunterbrechung sofort ein Ende. Der pfiffige kleine Erdmann mit osteuropäischem Akzent hat im Werbespot eine Website ins Leben gerufen, auf der man Erdmännchen vergleichen kann. Nun muss er aber immer häufiger feststellen, dass seine Web-Besucher dort die Preise und Konditionen für Autoversicherungen vergleichen möchten. Warum? Nun, sie vertippen sich und verwechseln “www.comparethemeerkat.com” mit “www.comparethemarket.com“. Klar, dass Alexander auf Abhilfe sinnt und den Zuschauern den Unterschied zwischen beiden Websites klarmacht. Zum Schluss kommt er dafür ganz nah an die Kamera, knipst ein Auge zu und lässt ein ermutigendes “simple!” folgen. Mimik und Gestik von “good old Alexander” werden inzwischen im Alltagsleben auf der Insel jeden Tag zehntausendfach kopiert und sorgen damit nicht nur für richtig gute Laune, sondern dürften auch dem Auftraggeber des Spots (inzwischen ist daraus eine Serie von vier geworden) riesigen Erfolg beschert haben.

Der Markt für Autoversicherungen ist im Vereinigten Königreich hart umkämpft. Die Wirtschaftskrise hat die Briten mit ungleich größerer Wucht als die anderen europäischen Länder erfasst, da die Banken auf der Insel stark mit US-amerikanischen Banken verbandelt waren. Nun wird die Zeche bezahlt – mit horrenden neuen Staatsschulden, Firmenpleiten und Arbeitsplatzverlusten. Die Briten müssen den Gürtel enger schnallen und auf jeden Penny achten. Websites, auf denen Preise verglichen werden, sind deshalb populär. Mit immer neuen Ideen versuchen die Agenturen, die Seiten ihrer Auftraggeber zu pushen. Derzeit ist freilich nicht abzusehen, dass irgendeine Kampagne auch nur im Ansatz “Alexander” den Rang ablaufen kann. Und das dürfte auch für die Erdmännchen im Londoner Zoo bedeuten, dass sie noch lange im Zentrum der Aufmerksamkeit bleiben werden.